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Von GFCD Concordia 1964 bis German Plus 2004

     

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Die 80er-Jahre

Ein Einsehen mit dem deutschen WM-Team

Erinnerungen von Dieter Cremer

Dieter Cremer, in den immerjungen 50ern, hat nachgewiesene 858 Spiele für den deutschen Fußballclub Jakarta bestritten (von 1846 Spielen, die vom 17.4.1973 bis zum 31.12.2003 dokumentiert sind). Er ist 1977 als junger Siemens-Ingenieur das erste Mal nach Indonesien gekommen, für 1 ½ Jahre, um hier das Riesen-stahlwerk des indonesischen Staatsunternehmens Krakatau Steel zu bauen. Gemeinsam mit 600 deutschen Kollegen auf der Baustelle, viele davon mit Familien. Man hatte auch ein Fußball-Team, den FC Kota Baca, nach dem Namen des Projekts bei Cilegon an der Westküste Javas. Aus dieser Zeit kennt er bereits das heutige German Plus, damals noch als Gegner. Man sei jedoch zu stark für die Jungs aus Jakarta gewesen, meint Dieter heute. Er spielte als Linksaußen. Anfang 1979 kehrte er nach Deutschland zurück. Doch es dauerte kaum ein Jahr, bis er wieder nach Indonesien kam. Diesmal nach Jakarta, diesmal, um zu bleiben. Er erinnert sich:

Als ich 1980 nach Jakarta kam, dachte ich nicht mehr an Fußball, da ich mich zu alt fühlte. Auch als mich 1981 der damalige Präsident Herman Pfotzer ansprach, ob ich Interesse am Fußball hätte, habe ich zunächst geantwortet, ich sei zu alt für so etwas. Doch Hermann hat mich überredet, einfach mal vorbeizuschauen. Schon damals spielten wir mittwochs und samstags in Ciputat. Ciputat war in dieser Zeit einstöckig bebaut. Unsere Mini-Tribüne existierte noch nicht. Den „Bierstand" hatten wir gegenüber der heutigen Tribüne unter den Bäumen eingerichtet. Ich spielte Linksaußen und fand wieder Spaß am Fußball. Der Ehrgeiz bestand damals darin, möglichst viel Bier zu trinken. Nicht nur nach dem Spiel, sondern auch in den Pausen. Es gab eben nichts anderes.

Die Höhepunkte waren die Kampungspiele, es gab noch keine Liga, und unsere jährlichen Reisen. Nach Bali, Sumatra, Flores oder auf Java. Wir empfanden es auch als unsere Aufgabe, soziale Verbindungen zwischen Deutschland und Asien herzustellen. In der Nähe von Semarang spielten wir gegen Djarum Kudus, das Team eines der größten Zigarettenhersteller Indonesiens. Man hatte als Rahmenprogramm einen Fabrikbesuch organisiert. Zehntausende Mädchen drehten die Zigaretten mit der Hand.

Auf Sumatra besuchten wir ein Sozialprojekt bei Padang und spielten anschließend in Bukit Tinggi, in den Bergen oberhalb Padangs, gegen eine lokale Mannschaft. Die abendliche Suche nach einem Lokal endete damit, dass ein Auto gefüllt mit nicht mehr ganz nüchternen Fußballern eine kleine Böschung herunter in eine Scheune stürzte. Verletzt wurde zum Glück niemand, doch die Schäden mussten mit etlichen Millionen ersetzt werden.

Nach Medan, Nordsumatra, kam die Verbindung über unseren Spielerkollegen Johnny Pardede und seinen brasilianischen Freund Jairo Matos, der auch bei uns spielte, zustande. Johnny gehört zu den bekannten Familien in Medan und Jairo trainierte zeitweise die dortige Mannschaft. Johnny hat übrigens den Namen German Plus kreiert, da bis zu 8 Nationen im Team versammelt waren. Anlass des Ausflugs war eine Spende an ein lokales Hospital und der Besuch des Toba-Sees. Auf der Hinfahrt zum See mit dem Bus, die etwa 3 Stunden dauerte, gab es alle halbe Stunden die obligatorische Pinkelpause, der Bus war vollgeladen mit Bier. Auf der Rückfahrt wurde auch Bier getrunken, doch gehalten wurde nicht mehr! Johnny hatte uns vor dem Spiel versprochen, dass, sollten wir mit 2 Toren Unterschied gewinnen, er das Essen und Trinken bezahlen und auch sonst für Unterhaltung auf seine Kosten sorgen würde. Er hatte nicht einen Moment geglaubt, dass wir das schaffen könnten. Das war ein Fehler. Wir gewannen das Spiel in dem prall gefüllten Stadion mit 2:0. Nach dem Sieg sprang die Mannschaft in den Hotelpool, in jeder Hand ein Bier. Die Tiefe des Beckens war aber nur ca. 60 cm, so dass Rudi Hauter der einen Kopfsprung hinein machte, Glück hatte, sich nicht das Genick zu brechen. Die Fahrt zum Toba-See fiel für ihn allerdings aus.

Bei unserer Reise nach Flores wurden wir am Flughafen in Maumere von hunderten von Menschen empfangen. Die Strassen zum Hotel waren ebenfalls von vielen Menschen gesäumt. Die Erklärung dafür: Wir waren in der lokalen Presse als deutsches WM-Team, das in Mexiko teilgenommen hatte, angekündigt worden. Die Vorbereitungen auf das Spiel liefen nicht optimal. Der Ausflug zu der bekanntesten Sehenswürdigkeit der Gegend, Telaga Tiga Warna (3 Vulkanseen mit unterschiedlichen Farben) dauerte nicht 3 Stunden pro Strecke sondern 8, womit wir mehr als 16 Stunden unterwegs waren. Das lag unter anderem daran, dass Brücken nicht vollständig mit Planken gedeckt waren. Eine Brücke von 200 Metern Länge war zum Beispiel nur bis 30 m belegt, so dass man immer wieder anhalten musste, um die Planken von hinten nach vorne zu legen. Als die ausgelaugte Mannschaft nach Maumere zurückkehre wurde sie als Ausgleich gut von den katholischen Padres (die auch für die falschen Zeitangaben verantwortlich waren) betreut. In unserem Hotel am Meer gab auch alkoholische Getränke, die morgens um 4 bis auf eine Flasche Bananenschnaps geleert waren, dann musste der Bananenschnaps auch noch dran glauben. Am Tag des Spieles lag die Mannschaft also gegen 5 Uhr im Bett. Der Gegner, der regionale Meister von NTT (Nusa Tengara Timur) hatte sein Abschlusstraining um 6 Uhr morgens angesetzt. Um 15 Uhr fuhren wir zum Stadion und wurden von 15.000 Zuschauern begeistert begrüßt. Der Gegner hat zum Glück ein Einsehen mit dem WM-Teilnehmer und schickte uns nur mit 4:0 nach Hause. Am Sonntag wurde eine Messe gelesen, an der rund 4.500 Menschen teilnahmen. Die Kirchenlieder, die gesungen wurden, waren unterlegt mit musikalischen Klängen der Region. Während der Messe haben wir 10 Fußbälle, die wir gestiftet hatten, übergeben, was mit großem Jubel empfangen wurde.

Noch zwei kleine Geschichten zu unserem damaligen Präsidenten Hermann Pfotzer: Hintergrund der ersten war, dass es immer Momente gab, in denen auf einen Schlag ein Teil der Mannschaft Indonesien verlässt und die Mannschaftsdecke plötzlich dünn geworden war. Ich erinnere mich an den Tag, an dem nur Hermann und ich zum Platz gekommen waren. Hermann meinte, das sei’s dann wohl für GP. Ich sagte nur na ja und kündigte an, nächste Woche trotzdem wieder zum Platz zu kommen. Hermann (im Bild links mit Bapak Agus, 1988) kam dann auch und noch ein paar andere Spieler, die ich aufge-trieben hatte. Das war 1983.

Bei der Jahreshauptversammlung 1984 kündigte Hermann die Wahlen zum Präsidenten mit den Worten an: Ihr könnten jeden wählen, Präsident bleibe ich.

German Plus: Ein paar Fragen hätten wir noch. Mit rund 850 Spielen hast Du knapp die Hälfte aller Spiele, die wir in den Analen des Vereins ausgegraben haben, bestritten. Wie findest Du das?

Dieter: Wenn ich davon ausgehe, dass ich eigentlich seit 1979 kein Fußball spielen wollte, weil ich mich für zu alt hielt, zeigt das schon einen erheblichen Sinneswandel.

German Plus: Allerdings von den 6000 Toren in dieser Zeit hast Du nur 21 gemacht. Und das, obwohl Du einmal als Stürmer angefangen hast.

Dieter: Die älteren Statistiken sind vielleicht nicht vollständig dokumentiert (zwinkert mit dem Auge). Wenn man aber mal von der Zahl 21 ausgeht, ist meine heutige Verteidigerposition wohl die bessere.

German Plus: Und dann sind da noch die 3000 Gegentore. Da bist Du auch beteiligt.

Dieter: Ja. Meine Bilanz der Tore und Gegentore müsste ziemlich ausgeglichen sein.

German Plus: Du bist eine der Seelen des Vereins. Manche halten Dir aber vor, Du möchtest die Dinge am Liebsten alleine regeln, als FC Dieter sozusagen.

Dieter: Also, ich glaube, dass es in den letzten Jahren eher ein FC Howie werden sollte, als ein FC Dieter.

German Plus: Wie würdest Du Dein Verhältnis zu Howie beschreiben?

Dieter: Kann man ein Verhältnis zu Howie haben?

German Plus: Wir erinnern uns noch an manche Wortduelle per Email …

Dieter: Ohne Howie wäre der Verein so etwas wie die Suppe ohne Salz. Jeder kann darüber denken wie er will. Es ist amüsant und es steckt ein richtiger Hintergrund dahinter. Ich finde Howies Arbeit für uns und den Verein richtig gut. Was wären wir ohne Howie (fügt nach kurzem Zögern hinzu) und seine Emails.

German Plus: Wie siehst Du die Zukunft des Vereins?

Dieter: Wilfried Spöhring und seine Sportkollegen haben damit angefangen, heute haben wir 2004 und ich bin der festen Überzeugung, dass der Verein in dieser Form noch etliche Jahrzehnte weiter existiert. Indonesien mit seiner Größe, von rechts nach links sind es sieben Airbus-Stunden, hat sicher eine große Zukunft vor sich. Dazu gehört auch das deutsche Engagement mit der entsprechenden sportlichen Verpflichtung.

German Plus: Und Deine Zukunft als Spieler?

Dieter: (lacht) Kai Fischer hat mal gesagt: Dieter wird einmal auf dem Platz tot umfallen.

German Plus: Dein Ältester hat lange für German Plus gespielt. Rund 350 mal. Er macht zur Zeit zwar eine Ausbildung in Deutschland, doch vielleicht wird er eines Tages nach Jakarta zurückkehren. Zwei weitere Söhne wachsen zu Fußballern heran. Maxi hat letztes Jahr 11 Spiele gemacht, Michi, obwohl erst 10, immerhin 3. Eine Fußball-Dynastie?

Dieter: Vielleicht wird’s ja doch mal der FC Cremer.

German Plus: Dieter, wir danken dir für dieses Gespräch.