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Von GFCD Concordia 1964 bis German Plus 2004

     

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Jakarta is Black

Party, Party und nochmals Party

Interview mit Dr. Bleckie, Fußballfan, Sponsor und Indonesien-Junkie

German Plus: Was hat Dich nach Indonesien verschlagen?

Bleckie: Ich hatte Ende 1993 ein Angebot, für zwei Jahre nach Indonesien zu kommen, um hier für eine indonesische Firma tätig zu werden.

German Plus: Wusstest Du damals, worauf Du Dich einlässt?

Bleckie: Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich gar nichts von diesem Land gewusst, außer dass es eine Stadt Jakarta gibt und eine göttliche Insel, die heißt Bali. Ich bin, wie das so schön heißt, ins kalte Wasser gesprungen, obwohl es ja hier reichlich warm ist, bin also ohne Vorbereitung am 5. Februar 1994 in Jakarta angekommen.

German Plus: Demnach hast auch nicht gewusst, dass es sich um das größte muslimische Land der Welt handelt?

Bleckie: Das habe ich sicherlich nicht gewusst, ich war völlig unvorbereitet und habe mich auf diese Dinge so eingelassen, wie man sie mir vorgeschlagen hat, ohne jegliche zusätzliche Vorbereitung.

German Plus: Dann bist Du also auch ohne Vorurteile gekommen.

Bleckie: Als ich hier angekommen bin, war das Ganze für mich erstmal natürlich alles, alles sehr, sehr neu. Es war für mich auch die erste Reise nach Asien gewesen. Ich hatte vorher keine Erfahrung in diese Richtung. Mein erster Eindruck. Es war alles völlig chaotisch und völlig neu für mich und auch viele Dinge unverständlich. Aber nachdem ich mich ja nun ein bisschen hier aufgehalten habe, sehe ich viele Dinge natürlich mit anderen Augen.

German Plus: Indonesien 1994, das war Boom-Zeit. In den letzten 10 Jahren hat sich viel getan, aber es ging damals in Jakarta wahrscheinlich auch nicht gerade geruhsam zu.

Bleckie: Stimmt. Das Wichtigste, was mir aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben ist, ist vor allen Dingen Party, Party, und noch mal Party. Es war wirklich viel los, es waren viele Leute in der Stadt, aus allen Ländern dieser Erde. Es war einfach so, dass man die Zeit, die man hatte, auch genießen wollte und entsprechend gut verbracht hat. Darüber hinaus war natürlich auch wesentlich mehr in geschäftlichen Dingen los. So lernte man ganz natürlich sehr schnell sehr viele Leute kennen und man wusste die Zeit zu nutzen.

German Plus: Doch der Verkehr war damals auch nicht besser als heute?

Bleckie: Oh, der Verkehr war sicherlich nicht besser. Als ich hier ankam, habe ich gedacht, das ist ja ein heilloses Chaos und Durcheinander, aber inzwischen hat sich das Knäuel ja etwas gelichtet und ich weiß, wie ich mich hier in Jakarta bewegen muss.

German Plus: Denkst Du mal daran, nach Deutschland zurückzukehren?

Bleckie: Nein, dazu reizt mich Indonesien zu sehr. Besonders natürlich die Lebensart, wie man miteinander umgeht. Dazu kommen natürlich auch noch die Annehmlichkeiten im Lande. Oder die wesentlich angenehmeren Temperaturen. Ich war vor kurzem zwei Monate in Deutschland und habe festgestellt, dass Temperaturen zwischen 0 und 10 Grad nicht mehr das ist, woran ich mich gerne gewöhnen möchte

German Plus: Jetzt aber zu unserem eigentlichen Thema: German Plus. Wie bist Du zu dem Verein gekommen?

Bleckie: Ich war damals Gast in einer bekannten Kneipe in Jakarta, in der Taverne (Anm. der Redaktion: Beliebtes Kellergewölbe im Aryaduta-Hotel…) , da wo viele Deutsche verkehrten und es den deutschen Stammtisch (… der auch heute noch jeden Montagabend zusammenkommt)gab und da gab es natürlich auch die Leute von German Plus. Einer meiner ersten Kontaktpersonen war das Urgestein Howie. Über den kam ich dann auch zum Fußball.

German Plus: Wenn man an Bleckie denkt, denkt man an einen Fan, an einen Sponsor. Jemand, den man häufig bei den Spielen trifft und der gerne mit den Spielern ein, oder auch mal zwei Bier trinkt. Im Trikot habe Dich aber noch nie gesehen. Hat es Dich nicht gereizt, einmal für German Plus aufzulaufen?

Bleckie: Ja, sicherlich reizt mich das, auch heute noch und es zwickt mich manchmal im rechten Fuß, wirklich aktiv mitzuspielen. Doch ich habe noch nicht so die rechte Traute gefunden, weil ganz ehrlich gesagt die Platzverhältnisse in Ciputat mich nicht unbedingt dazu ermutigen (Anm. der Redaktion: Für Insider gut zu verstehen, wenn auch nicht von allen geteilt: O-Ton Dieter Cremer: „Unser Wembley-Rasen."). Gott sei Dank habe ich ja in letzter Zeit einen Großteil meines Gewichtes abgegeben (Anm. der Redaktion: Untechnisch gesprochen stimmt die Aussage – technisch gesprochen hätte es heißen müssen: „... Großteil meines ÜBERgewichts..") und so wäre ich auch sicherlich körperlich heute eher in der Lage da mitzumachen, aber in erster Linie sind es die Platzverhältnisse in Ciputat, die mich noch ein bisschen abhalten, bzw. die mögliche Verletzungsgefahr. Außerdem steht die von mir angestrebte Mannschaftsposition zurzeit nicht zur Verfügung. Aber reizen tut es mich auf alle Fälle, ja.

German Plus: Ich schließe daraus, dass Du früher aktiv Fußball gespielt hast?

Bleckie: Ja, das ist aber lange her. Das war zu Schülerzeiten, da habe ich auch Fußball gespielt. Meine Position war die des letzten Mannes. Man nannte mich damals Dr. Eisenfuß, denn überall, wo ich mit meinen großen Quadratlatschen hinlangte, wuchs dann hinterher kein Gras mehr.

German Plus: Also damals schon der Zusatz „Dr.". Früher kannte man Dich in Jakarta allerdings nur als Bleckie. Erst später ist der Dr. wieder dazugekommen. Wir wissen zwar, dass Du noch immer Deine „Clinic" im Chillies-Cafe, im Sarinah-Komplex, betreibst, doch das hatte ja wohl eher keinen medizinischen Hintergrund. Wie bist Du also zu dem „Dr." gekommen?

Dr. Bleckie: Na ja, zu dem Doktortitel bin ich dadurch gekommen, dass ich liebe Freunde, die sich beim Fußballspiel verletzt hatten, ins Krankenhaus begleitet und anschließend ein bisschen betreut habe – moralisch, nicht medizinisch natürlich. Beim dritten Mal sprach mich das Krankenhauspersonal dann plötzlich mit Dr. Bleckie an. Aber meine Sprechstunden halte ich nach wie vor in meiner „Clinic" im Sarinah-Komplex. Die Sprechzeiten sind variabel und am besten vorher zu vereinbaren.

German Plus: Danke für den Hinweis. Vielleicht kannst Du ein paar Erinnerungen mit uns über German Plus teilen. Du brauchst zwar keine Namen zu kennen, aber die eine oder andere Indiskretion wäre sicherlich verzeihbar.

Dr. Bleckie: Ja, ja, German Plus. In den ganzen Jahren, die ich zum Teil eher aus der Ferne, aber meist direkt dabei gewesen bin, hat es schon die eine oder andere Änderung in den Verhältnissen gegeben. Aber ich muss sagen, es ist auch jetzt noch immer eine schöne Zeit und ich freue mich, dass ich heute wesentlich näher am Club bin und diesen Verein auch direkt unterstützen kann, in jeglicher Form, Art und Weise und das werde ich auch sicherlich weiterhin in der Zukunft tun.

German Plus: Also keine Bettkantengeschichten. Schade, hast Du denn ein paar Tipps, vielleicht für den Coach. In letzter Zeit spielt German Plus, sagen wir mal, unter seinen Möglichkeiten Das letzte gute Ergebnis liegt nun schon 2 Jahre zurück.

Dr. Bleckie: Lage und Situation sind sehr schwierig. Die unterschiedlichen Temperamente, die unterschiedlichen Altersstufen. Junge, mittlere und auch älteren Spieler unter einen Hut bekommen. Ich glaube der Coach ist gut dabei, er ist in der Lage das Ganze zu managen. In der Vergangenheit hätte der Coach in mancher Situation energischer durchgreifen sollen, um das Team und seine unterschiedlichen „Charaktere" noch mehr und besser aufeinander einzuschwören.

German Plus: ... also schon ein bisschen Kritik.

Dr. Bleckie: Das Spiel leidet wenn während des Spiels die Emotionen hoch laufen. Aber ich glaube, das erkennt nach einem verlorenen Spiel nicht jeder, um es beim nächsten Spiel dann ein bisschen anders zu machen.

German Plus: Zum Abschluss noch zwei Fragen, die wir unseren indonesischen Spielern auch gestellt haben. Einmal, wer glaubst Du, wird 2004 das indonesische Präsidentenamt gewinnen?

Dr. Bleckie: Aus meiner persönlichen Einschätzung wird es wahrscheinlich Ibu Megawati mangels geeigneten Kandidaten noch mal machen.

German Plus: Und die zweite Frage: Wer wird Fußballweltmeister 2006 in Deutschland?

Dr. Bleckie: Bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 wird sicherlich die deutsche Mannschaft mindestens bis zum Halbfinale oder vielleicht wieder bis ins Finale vorstoßen, aber wie sagte schon Seppel Herberger lange, lange Zeit vorher: Ein Spiel dauert 90 Minuten. Und jetzt auch manchmal ein bisschen länger.

German Plus: Das ist mir etwas zu diplomatisch. Wer wird Fußballweltmeister 2006?

Dr. Bleckie: Also gut, okay, ich unterstütze- alle Daumen drückend - die deutsche Mannschaft. Wen sonst!

German Plus: Dr. Bleckie, vielen Dank für dieses Gespräch.

Dr. Bleckie: Bitte schön.