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Von GFCD Concordia 1964 bis German Plus 2004

     

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Krawatte ab und rein in den Schlamm!

Typen als Fussballnationalspieler verkleidet

von Reiner Freidland

November 1996. Gerade einen Monat war ich nun in Jakarta. Was treibt ein Newcomer in der Freizeit? Er nimmt sich vor, die Stadt und das Land kennen zu lernen, und dabei landet er dann in der „Tavern" (Anm. der Redaktion: Beliebte Kellerkneipe im rustikalen Stil im Aryaduta-Hotel). So stand ich also da und erfreute mich an Bier, Musik und andere Genüssen. Irgendwie kam mir eine Zeitschrift in die Hand. Erst dachte ich, da haben sich ein paar Typen als Fußballnationalspieler ver-kleidet. Langsam begriff ich aber, dass hier in Jakarta ein paar Landsleute meinem Lieblingshobby nachgingen. Und - welch ein Glück - da war sogar eine Kontaktperson angegeben. Ich suchte einen Schmierzettel und notierte den Namen „Dieter Cremer" und eine Telefonnummer.

Erst drei Tage später kamen mir die Zettel wieder in die Finger. Ich tippte also die Nummer ins Telefon und schilderte mein Interesse für Fußball. Ich erkundigte mich höflich nach Platz und Trainingszeiten. Herr Cremer antwortete für mich damals völlig unverständlich. Er gab mir nur Namen und Adresse einer Kneipe, in der sich der Verein wohl freitags trifft.

Am nächsten Freitagabend öffnete ich dann etwas zögerlich die Tür zum Espresso (Anm. der Redaktion: Lange Jahre Stamm-lokal von German Plus in Ke-mang, Südjakarta). Schnell merkte ich, dass der Verein wohl noch nicht vollständig war. Da saßen nur drei Herren im ziemlich gehobenen Fußball-alter. Der Älteste stellte sich auf Nachfrage als „Dieter Cremer" vor. Mehr Leute wurden es auch den ganzen Abend nicht. Wir tranken einige Bier, redeten über alles Mögliche, außer über Fußball. Da ich in jeder Hinsicht der Jüngste in diesem Quartett war, wollte ich auch nicht drängeln. Sicher würde Dieter, wie ich ihn dann nennen durfte, von allein seiner Pflicht als Präsident genügen und den Verein vorstellen. Aber Denkste. Als Einziges erfuhr ich an dem Abend über German Plus, dass die beiden anderen Herren nicht zum Verein gehören. Bei der Verabschiedung fragte ich dann doch noch nach Trainingszeit usw. Immerhin konnte ich Dieter ein „Kein Problem. Meld Dich einfach." abringen. So hatte ich an dem Abend zwar genug Bier, aber wenig Infos erhalten.

Also erkundigte ich mich telefonisch nach Trainingszeit usw. Dieter gab die Antwort zwar in deutscher Sprache, aber er erzählte nur etwas von „JIS". Wahrscheinlich würde ich da endlich den Verein finden.

Bei der JIS (Jakarta International School) spielten lauter unbekannte Männer Fußball. Zu meiner Überraschung hatte sich auch Dieter als Spieler verkleidet. Er war sich seiner Verkleidung so sicher, dass er mich selbst nach dem Spiel nicht erkannte. Erst nach mehrfacher Ansprache sagte der verkleidete Dieter: „Das hier ist übrigens Reiner". Mehr konnte ich ihm an diesem Abend nicht entlocken und so wusste ich immer noch nichts über Trainingszeit usw.

Erst beim nächsten Stamm-tisch im Espresso erfuhr ich dann die Einzelheiten über German Plus. Natürlich lernte ich auch Dieter besser kennen und „nehmen". Vor allem bewunderte ich ihn aufgrund seiner Spielweise, die so gar nicht an einen 50jährigen erinnerte. Unglaublich, dass er heute immer noch mithält. Dieter ist nicht nur der Präsident sondern ohne Zweifel auch eine der wichtigsten Figuren von German Plus.

Sehr schnell merkte ich, dass es da noch eine weitere wichtige Person bei German Plus gibt, ohne die nichts ging, jedenfalls nicht zu meiner Zeit. Die Seele des Vereins heißt Peter Hinsch, genannt Howie. Wie ein ordentlicher Beamter, aber einer mit viel Herz, führte er den Verein. Alle wussten, dass er den Verein führt, bis auf einen. Howie machte seinen Job, aufopferungsvoll und perfekt, sah sich aber nie selbst als Chef. Dieter hat es treffend formuliert: „Der Verein ist Howie und Howie ist der Verein."

Howie sorgt immer für alles. Er hält die Finanzen zusammen, schaffte Sponsoren heran, organisierte den Spielbetrieb, stellte das jährliche Magazin zusammen, hielt Kontakt zu den anderen Teams, kümmerte sich um die Getränke, usw. Ohne Howie lief fast nichts. Mit Howie klappte alles.

Wie wichtig Howie den Verein nahm und wie wichtig er für den Verein war, verdeutlicht folgende Episode. Einmal musste Danzas für Siemens einen großen Transformator transportieren. Howie und Chris (Remund) waren Tag und Nacht im Einsatz, das Ding sicher durch die Walachei bugsieren. Sicher hatte Howie anderes im Kopf, als an German Plus zu denken. Trotzdem sorgte er wie selbstverständlich dafür, dass an unserem Trainings-Mittwoch Getränke da waren.

Howies Leben ist German Plus. Er nahm es auch nie krumm, wenn er für ein Punktspiel nicht aufgestellt wurde, weil sich wieder einer fand, der die Sturmspitze technisch und konditionell besser besetzen konnte. So kosteten andere auf dem Platz das aus, wofür er in aufopferungsvoller Arbeit die Grundlagen legte. Trotz allem kämpft er immer noch darum, ewiger Torschützenkönig von German Plus zu werden. Sollte er das nicht schaffen, bekommt er sicher seinen Platz in der Hall of Fame von German Plus.

Meine typische Woche bei German Plus:

Montag
Wochenbeginn und dann abends Business-Stammtisch im Aryaduta. Business ist mir zwar egal, aber vielleicht treffe ich ja jemanden von German Plus. Falls ja, wird es ein langer Abend und ein harter Morgen am

Dienstag
Endlich mal nichts von German Plus hören, mal muss man ja auch was tun. Um 17 Uhr Anruf Howie: „Kommst du morgen?". „Na klar."

Mittwoch
Mein Tag bei German Plus. Bei den samstäglichen Punktspielen war für mich und andere Supertechniker selten Gelegen-heit in der Anfangsformation aufzulaufen. Also trafen wir uns jeden Mittwoch, um bei einem gepflegten Spiel gegen heraus-ragende indonesische Gegner unser herausragendes Können zu zeigen. Davon konnte uns nichts abhalten, weder Regen und Pfützen, Schlamm und Sägespäne, Agus (der Schieds-richter) messerscharfer Blick, dem keine Abseitsstellung im Umkreis von 3 Metern entging.

Also Krawatte ab, Bügel-faltenhose und Hemd aus und rein in den Schlamm. Nach dem Spiel gingen wir gepflegt duschen, indem der größte Dreck mit dem Handtuch abgerieben wurde.

Donnerstag
Muskelkater auskurieren, auf morgen freuen.

Freitag
Endlich wird das Wochenende eingeleitet. Businessklamotten in die Ecke, ab ins Taxi zum Stammtisch im Espresso. In Anbetracht des Punktspiels am nächsten Tag, war der Stammtischtermin denkbar ungünstig gewählt. Aber es war (fast immer) wunderbar. Wir haben gequatscht, gelacht, gespielt und auch etwas getrunken. Man sagt so was leicht, aber hier fühlte ich mich wirklich wie in einer Familie. Ich glaube, dieses Zusammen-gehörigkeitsgefühl gibt es zwischen Deutschen (sorry Chris) nur, wenn sie gemeinsam im Ausland sind. Das hat mich als Ossi wirklich beeindruckt.

Ich habe mich sauwohl gefühlt. Irgendeiner gab immer einen aus. Keiner fragte, ob er zuviel gezahlt hätte. Manchmal verließ ich „gut in Stimmung" die Kneipe und hatte keinen Rupiah bezahlt. Oft hatte ich auch für 30 Bier bezahlt und nur drei getrunken. Man muss unbedingt noch erwähnen, dass die Kneipe um 22:00 Uhr zumachte, d.h. gegen 21:00 Uhr waren die letzten Indonesier gegangen. So ab 2:00 Uhr früh, wurde dann der indonesische Kellner, genannt Karl-Heinz, etwas ungeduldig. Seine Geduld wurde dann mit höherem Bierpreis belohnt. So hatten alle etwas davon.

Meist fand der Stammtisch ohne Frauen statt. Das war meist sehr lustig. Die Highlights gab es aber, wenn die Frauen dabei waren. Ich erinnere mich noch an eine Episode, wo die kleine Kim Fischer ihren Mann Kai gezwungen hat, mehrere Glas Wasser zu trinken, damit endlich der Schluckauf aufhört. Genützt hat es natürlich nichts. Gegen den gut mit Bier gefüllte Magen von Kai hatte das bisschen Wasser keine Chance.

Sonnabend
Der Punktspieltag. Die Spiele waren mal mehr, mal weniger erfolgreich. Immer genial war die Ansprache von Kai vor dem Spiel. Da hatten alle Respekt. Vielleicht vor allem darum, weil Kai das Spiel wirklich ernst nahm, sich selbst aber nie. Im Gegenteil, er kommentierte oft mit viel Ironie seine eigene Leistung, wenn sein Aktionsradius mal wieder an Kleinfeldfußball erinnerte.

Nach dem Spiel gab’s ein paar schöne Bierchen, die freundschaftlich mit dem Gegner geleert wurden. Dann ging’s zum Duschen und manchmal trafen wir uns zum Abendessen. Wenn Howie gute Laune hatte, lud er uns danach noch zum Billard in sein Häuschen ein. Seine Laune verschlechterte sich natürlich, weil er fast immer verlor.

Sonntag
Wunden kurieren, Siegesfeier verarbeiten oder Frustbiere abbauen.

Obwohl es schon fast sieben Jahre her ist, bleibt diese Zeit in ständiger Erinnerung. Ich denke, das wird vielen „Ehemaligen" so gehen. Zum Glück gibt es ja Internet und Email, durch die ich in Verbindung bleiben kann. Ich wünsche diesem einmaligen, wunderbaren Verein viel Erfolg und Spaß für die nächsten 40 und weitere Jahre. Ich hoffe, dass noch viele Deutsche in Indonesien zu German Plus finden.

Ich bedanke mich bei allen, die das zu meiner Zeit ermöglicht haben und zukünftig für andere noch ermöglichen werden. Besonders möchte ich mich bei den vielen Indonesiern bedanken, ohne die es German Plus nicht geben würde und dürfte. Zuerst geht der Dank an Agus, unsere indonesischen Spieler und die vielen Mannschaften, die gegen uns immer fair und meist sehr gut gespielt haben. Mein Dank richtet sich aber auch generell an die Gastfreundschaft dieses schönen Landes, ohne die es weder German Plus noch andere wunderbare Erlebnisse gegeben hätte.