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Fussball in Indonesien

     

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In Indonesien wird auch Fußball gespielt

Kapan Indonesia masuk Piala Dunia, ya?

Ein kurzer Blick auf den indonesischen Fußball

„Wann wird Indonesien endlich an der Fußballweltmeisterschaft teilnehmen?" – Diese traurig ausgesprochene Frage leitete während der WM 2002 in Südkorea und Japan einen endlos über indonesische TV-Geräte flimmernden Werbespot ein. Einsam saß der Fragesteller (Anm. der Redaktion: Dik Doank, indonesischer Popstar und Fußball-Moderator) auf dem Rasen im weiten Rund des Nationalstadions BUNG KARNO im Senayan-Bezirk der indonesischen Hauptstadt. Von seiner Melancholie befreit hat ihn der italienische Nationalspieler Alessandro Del Piero. Geworben haben die beiden dann mit allerhand Kunststückchen am Ball, aber immer noch vor leeren Rängen, für den Energiedrink „Extra Joss" - so etwas wie der indonesische Red Bull.

Doch auch der wohlwollende Zuschauer wird nicht geglaubt haben, dass Indonesien allein auf den beliebten Kraftspender vertrauen kann, um das Tor zu einer WM-Teilnahme zu öffnen. Genau genommen müsste man schreiben: „… wieder zu öffnen…". Denn 1938 war man schon einmal dabei. In Frankreich. Zwar verlor Indonesien sein erstes Spiel mit 0:6 (0:4) und war damit gleich in der Eingangsrunde ausgeschieden. Doch diese Niederlage gegen Ungarn, das erst im Finale gegen Italien unterlag (2:4), hat zu Recht niemand als Schande empfunden. Qualifiziert hatte sich Indonesien, das damals noch unter dem Namen Holländisch Ostindien antrat, in der Asiengruppe 2 nach einem Verzicht Japans auf das Ausscheidungsspiel. Die Namen der damaligen Spieler spiegeln die koloniale Vergangenheit, die Größe und die kulturelle Vielfalt des indonesischen Archipelago wider. Einer Welt aus 17.000 Inseln, die von Westen nach Osten rund 5.000 und von Süden bis Norden etwa 2.000 Kilometer misst. Neben typischen holländischen Namen (van den Burg, Mastenbroek) finden sich solche aus den Molukken (Taihuttu, Pattiwael), Sumatra (Anwar) und Java (Soedermadji), aber auch Namen von Spielern chinesischer Abstammung (Bing Mo Heng, Tan Se Han) und schließlich ein Name, der auf eine deutsche Herkunft deuten könnte (Faulhaber).

Offiziell wird in Indonesien seit 1930 Fußball gespielt. Der indonesische Fußballverband hieß damals „Nederland Indische Voetbal Unie (NIVU)". Im Jahr 1949 gründete die neue indonesische Regierung den nationalen Fußballverband PSSI (Persatuan Sepakbola Seluruh Indonesia). Die erste nationale Meisterschaft wurde 1951 ausgetragen. Meister wurde Persebaya aus Surabaya (Ostjava). Im gleichen Jahr gab PSSI sein internationales Debüt – bei den Asienspielen in Neu Delhi. Das junge Team zahlte vor allem Lehrgeld. Es verlor alle seine Spiele. Gegen Indien, Afghanistan, Burma und Iran. Den ersten Sieg konnte man auf der Rückreise von Indien für sich verbuchen. Bei einem Zwischenstopp in Singapur schlug man das dortige Nationalteam mit 4:1. In 1953 folgten Siege gegen die Philippinen (5:0) und Hongkong (4:1) sowie eine Niederlage daheim gegen Jugoslawien (0:2). Die Erfahrungen, die man gerade gegen starke Gegner sammelte, halfen Indonesien, sich 1956 für die Olympischen Spiele in Melbourne zu qualifizieren. Der Mannschaft gelang zunächst ein umjubelter Überraschungs- und Achtungserfolg. Der mächtigen Sowjetunion, bei der „die schwarze Spinne" Lev Yashin im Tor stand, rang man ein 0:0 ab (das Wiederholungsspiel ging allerdings mit 0:4 verloren). Es war einer der Höhepunkte in Indonesiens Fußballgeschichte. Trainiert wurde das Team damals von dem Jugoslawen Tony Pogaknik.

1981 sah den Auftakt der ersten nationalen (Halb)Profiliga, die als erstes von Warna Agung-Jakarta mit ihrem Star, Nationalspieler Ronny Pattinasarani, gewonnen wurde. Erst in der Saison 1993/94 bekam das Land mit der Liga Indonesia eine richtige Profimeisterschaft in der 20 Mannschaften gegeneinander antreten. Die Stadt Bandung stellte mit ihren Teams Persib und Raya die Meister in den ersten beiden Jahren.

Das Nationalteam spielt in den nationalen Farben „Merah/Putih" (rot und weiß). Die Weltrangliste 2003 der FIFA, der das Land 1952 beitrat, weist Indonesien auf Platz 81 aus, knapp hinter Australien, Neuseeland und Ghana und leicht vor Kanada, Georgien und Zypern. Recht erfolgreich war das indonesische Nationalteam bei regionalen Wettbewerben. Bei den letzten vier ASEAN-Spielen hat man dreimal den ersten Platz belegt.

Soweit die nackten Fakten. Aber wie ist es nun tatsächlich um den indonesischen Fußball bestellt? Das Land, eine Nation mit mehr als 200 Millionen Menschen, ist besessen von der Jagd um das runde Leder. Doch trotz aller Begeisterung: Indonesiens Fußball befindet sich in einem eher traurigen Zustand. Ein Symbol dieses Zustands ist das Stadion in Jakartas Nobelbezirk Menteng, in dem der frühere Diktator Soeharto und auch Indonesiens derzeitige Präsidentin Megawati Soekarnoputri residieren. Das Stadion, einst stolze Heimat von Jakartas Erstligamannschaft PERSIJA, versteckt sich heute hinter Marktbuden und Werbegerüsten. Innen ist es rostig und verrottet – so, als wäre es vor 30 Jahren aufgegeben worden. Der Verein spielt deshalb in der Südstadt, im Stadion von Lebak Bulus - gegen Mietzahlungen. Besucht man eine der Trainingseinheiten, die nach wie vor in Menteng stattfinden, sieht es so aus, als wäre ein Haufen Teenager zu einem lockeren Spielchen zusammengekommen.

Herry Kiswanto, früher Trainer von PERSIJA, meint, das Team habe mit vielen Problemen zu kämpfen: „Manchmal in der heißen Jahreszeit ist der Platz sehr hart. Einige der Spieler beschweren sich, wenn sie hinfallen. Es tut ihnen weh und das wirkt sich auf unsere Taktik aus." Riana Jakasouria, einstige Fußballgröße, glaubt an die Macht des Geldes. Der Fußball Indonesiens brauche „als erstes Geld, Geld und nochmals Geld, um Organisationen aufzubauen … einige Organisationen, und dann einen guten Trainer, und auch starke Spieler."

Über Zuschauermangel brauchen die indonesischen Erstligavereine jedoch nicht zu klagen. Selbst zu unbedeutenden Ligaspielen kommen die Fans in Scharen. Dann verwandeln sich zum Beispiel in Jakarta die Zufahrtsstraßen zum Stadium in orangefarbene Schlangen (die Farbe von PERSIJA). Man kommt auf Mopeds und auf den Dächern gecharterter Busse, die stolzgeschwellte Brust im Trikot, die Vereinsfahne über dem Kopf schwenkend. Auch die Spiele der Nationalmannschaft ziehen die Massen an. Das Senayan-Stadion, im Werbespot noch eine menschenleere Kulisse, platzte beim Endspiel um den Tigercup 2003, in dem Indonesien gegen Thailand, der wohl zur Zeit stärksten südostasiatischen Mannschaft, im Elfmeterschießen unterlag, mit mehr als 100.000 Zuschauern aus allen Nähten.

Doch die Stars, zu denen man aufschaut, kommen nicht aus Indonesien. Die Medien spiegeln wider, woher die Idole kommen. Alle privaten TV-Gesellschaften haben Fußball aus Europa im Programm. Die englische Premier League läuft live zu den besten Sendezeiten ein. Für Liveübertragungen aus Italien, Deutschland oder Spanien schlagen sich die Fans die Nacht um die Ohren. Die beiden indonesischen Fußballmagazine beschäftigen sich fast ausschließlich mit den ausländischen Ligen. In Jakarta gibt es sogar einen offiziellen Fußball-Shop des britischen Erstliga-Clubs Manchester United. So verwundert es nicht, dass ein Besucher des Ladens die Frage nach bekannten Fußballern mit Namen wie Beckham, Verron oder van Nistelroy beantwortet, bei der Frage nach dem Namen des Kapitäns der indonesischen National-mannschaft aber passen muss.